Rüstungsexporte – Gewissensfrage Klarheit schaffen in Wirtschaft und Politik Montag, 10. November 2015 – Kehl

Dienen die Rüstungsexporte der Friedenssicherung oder sind sie Auslöser für Kriege? Dieser und vielen anderen Fragen zum Thema Rüstungsindustrie ging Andreas Bordne am Dienstag bei seinem Vortrag im Agnes-Trick-Haus nach.

 

Andreas Bordne
Wirtschafts- und Sozialpfarrer, KDA-Südbaden

 

"Rüstungsexporte müssen eingebunden sein in eine Friedenssicherungspolitik"

 

 

 

,berichtete der Wirtschafts- und Sozialpfarrer Andreas Bordne.

Aber in der Rüstungsindustrie scheinen oft andere Aspekte vorrangig zu sein. Der Vertreter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA) zeigte in seinem Vortrag "Rüstungsexporte - Gewissensfrage" Statistiken zu den Rüstungsexporten der letzten Jahre auf.

"Im ersten Halbjahr 2015 wurden schon so viele Waffen exportiert wie in ganz 2014".

Aber wird es dadurch wirklich friedlicher in der Welt? Einen großen Schwachpunkt sieht Bordne in der mangelnden Kontrolle der Rüstungsexporte. Es gäbe zwar eindeutige Regeln und Gesetze, aber auch viele Ausnahmen davon.

Aus kirchlicher Sicht gibt es keinen gerechten Krieg, aber auch kein generelles "Nein" zum Einsatz von Waffen als rechtserhaltender Gewalt.

"Der Einsatz von Waffen wird respektiert, wenn dadurch ein größeres Unglück verhindert werden kann"

, erklärte der Pfarrer. Auch den wirtschaftlichen Aspekt der Rüstungsindustrie dürfe man nicht außer Acht lassen. Selbst in unserer näheren Umgebung gibt es zahlreiche Betriebe, die für die Rüstungsindustrie tätig sind. Dies bedeutet ein gutes Einkommen, nicht nur für die Mitarbeiter, und Arbeitsplätze.

"Jeder Betrieb ist verantwortlich für die Produkte, die er herstellt und muss sich fragen, ob das Produkt gerechtfertigt ist"

, forderte Bordne.

"Verleiten manche Produkte mit ihrer Zielgenauigkeit nicht eher dazu, Krieg zu führen?"

Doch wie könnte Sicherheitspolitik zukünftig aussehen? Der Wirtschaftspfarrer aus Freiburg hatte auch für diese Frage einige konkrete Vorschläge, vor allem forderte er eine größere Transparenz bei den Bewilligungsprozessen sowie eine Endkontrolle im Empfängerland. Eingeladen zu diesem Vortrag hatte die Evangelische Arbeitnehmerschaft (ean) im Rahmen der Südbadischen Sozialtage, die dieses Jahr unter dem Thema "Dient die Wirtschaft der Menschheit" stehen.

Die Ausführungen von Bordne wurden unter den Zuhörern sehr emotional diskutiert und viele fühlten sich hilflos. "Wo ist der Hebel, wo wir ansetzen könnten", fragte Bordne? Neben einem kritischen Wahlverhalten sollte jeder einzelne auch sein Verhalten im täglichen Leben überprüfen.

Wo unterstützen wir durch unser Konsumverhalten ungewünschte wirtschaftliche Ausprägungen? Dennoch blieb ein Gefühl der Ohnmacht, da gerade das Thema Rüstungsexporte nicht nur ein nationales sondern ein weltweites Thema ist und auch nur gemeinsam sinnvoll geregelt werden kann.

18:00 Uhr: Gottesdienst zur Friedensdekade, Friedenskirche Kehl

mit Dekan Günther Ihle,

19:30 Uhr: Rüstungsexporte- Gewissensfrage. Klarheit schaffen in Wirtschaft und Politik.

 

Abendveranstaltung der ean, im Saal des Agnes-Trick-Hauses, 
Marktstr. 3 (Centrum am Markt)
77694 Kehl

Vortrag und Diskussion

 

 

 

Referent: Andreas Bordne

Wirtschafts- und Sozialpfarrer, KDA-Südbaden

 

"Alle Regierungen haben seit 2002 trotz der starken Kriterien der Politischen Grundsätze gegenläufige Exportentscheidungen getroffen."

 

Rüstungsbericht 2013 der GKKE (Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung)

 

 

Der Abend trägt zur Klärung der Gewissensfrage „Rüstungsexporte“ bei und zeigt Wege auf, wie die Diskussion mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft geführt werden kann, um die Reduzierung der Rüstungsexporte voran zu bringen.

Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Es werden die politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen benannt, die bei den Rüstungsexporten gestellt werden müssen. In den Blickkommt auch die Situation der Mitarbeitenden, die an ihrem Arbeitsplatz das Produkt "Rüstung" herstellen (müssen).