Krieg der Generationen – oder warum eine Umkehr notwendig ist, 10. November 2015 - Friesenheim

Schwere Zeiten für junge Leute

Der Journalist und ehemalige Redaktionsleiter der Wiso-Sendung, Michael Opoczynski, hat ein düsteres Bild der Zukunft gezeichnet. Vor allem jüngere Menschen müssten sich auf eine komplett andere Arbeitswelt einstellen.

Friesenheim. Mit der Veranstaltungsreihe der südbadischen Sozialtage engagieren sich die beiden großen Kirchen in Baden für soziale Gerechtigkeit. Zu einer besonderen Einzelveranstaltung hatte die KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) Friesenheim ins Georg-Schreiber-Haus eingeladen. Referent Michael Opoczynski (67), Buchautor und freier Journalist referierte zum Thema "Krieg der Generationen - oder warum Umkehr notwendig ist".

Grundlage des Gesprächs war das aktuelle gleichnamige Buch: "Krieg der Generationen". "Sie erheben die Stimme zu mehr Fairness und Rücksicht gegenüber der Jugend. Räumen auf mit selbstgerechter Das-haben-wir-uns-verdient-Mentalität", betonte Bernhard Gißler, Vorsitzender der KAB Friesenheim, in seiner Begrüßung.

Themen wie Altersversorgung, Bildung, Soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Raubbau der Ressourcen seien auch Themen, mit denen die KAB versuche, die Menschen zu sensibilisieren.

Opoczynski führte die Veränderung der Gesellschaft vor Augen. Erkennbar sei eine Flucht in Städte. Wohnraum auf dem Land stehe indes leer oder zu kleinen Preisen zum Verkauf. Die neue Arbeitswelt bringe für junge Leute schwere Zeiten. Für Unternehmen breche hingegen eine goldene Zukunft an, so der Referent.

 

"Kannibalismus der Arbeitsbedingungen"

 

IBM In Amerika mache es vor. Softwarespezialisten erhielten als freie Mitarbeiter einen Auftrag mit anschließender Benotung. Nur wenn diese gut ausfalle, dürfe mit Folgeaufträgen gerechnet werden. Opoczynski sprach von einem " Kannibalismus der Arbeitsbedingungen"

Mit seiner Forderung nach immer niedrigeren Preisen ziehe der Konsument selbst die Daumenschrauben an. Folge der schnell drehenden Konsumwelt seien Billigprodukte, die Kaufreize auslösten ohne Möglichkeit. Zudem verschuldeten sich Jugendliche häufig über Kreditverträge, aber auch Handykäufe.

 

"Es gibt sie die Gruppe der Alten, die richtig Geld hat und sich nicht scheut dieses auch auszugeben."

Als Indikator dafür wertete er den Boom von Kreuzfahren.

 

"Es gibt im Land einen wachsenden Reichtum alter Menschen"

Sicher gebe es auch sehr viele arme, alte Menschen, räumte Opoczynski ein.

 

"Aber es gibt auch sehr viele Jüngere, die arm sind."

Jetzt heiße es, den Wandel einzuleiten, damit es nicht heßt, die Alten hätten aus Eigennutz und Gedankenlosigkeit die Zukunft der Jugend zerstört. Dem Einwand eines Zuhörers, dass die Altersvorsorge über den Staat relativ sicher sei, hielt er entgegen:

 

"Nein die Rente ist alles andere an sicher."

Wenn die Babyboomer in 15 Jahren in Rente gehen, wird es für die Versicherung eng. Junge Selbstständige zahlen in die Rentenkasse nichts ein.

 

"Das wird nicht schön"

So Opoczynski. Aber auch der Wirtschaftsjournalist hat kein Gegenrezept.

 

"Wenn alte und junge Menschen den Blick für mehr Fairness unter den Generationen schärfen, wird es auch eine gute Zukunft für alle geben."

versicherte Gißler.

 Quelle: Lahrer Zeitung vom 12. November 2015. Von Christine Bohnert-Seidel

 

 

 

19:30 Uhr Vortrag und Diskussion

Im Georg-Schreiber-Haus, Friesenheim,Am Dorfgraben

 

 

 

Referent: Michael Opoczynski

Studium der Politikwissenschaft, 1992 Leiter/Moderator von WISO2011 Hauptredaktionsleiter Wirtschaft ZDF seit 2014: Freier Journalist und Autor

 

 

 

 

 

Schluss mit der selbstgerechten "Das haben wir uns verdient"-Mentalität!

 

Michael Opoczynski fordert mehr Fairness zwischen den Generationen:

 

 "Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wir aber säen Sturm! Sehenden Auges beschwören wir die größten Katastrophen in der Geschichte dieses Planeten herauf. Mit aller Konsequenz vernichten wir das Werk, das Generationen vor uns erschaffen haben, um unseren Kindern eine Wirklichkeit zu hinterlassen, wie wir sie selbst nicht bewältigen mussten."

 

Michael Opoczynski erhebt mit seinemneuesten Buch Krieg der Generationen seine Stimme zu einem Appell für mehr Fairness unter den Generationen, zu mehr Rücksicht gegenüber den Jungen. Er räumt auf mit der selbstgerechten "Das haben wir uns verdient"-Mentalität, die in weiten Kreisen der Bevölkerung vorhanden ist. Denn noch ist der Krieg der Generationen nicht verloren.

Wenn Alt und Jung gemeinsam den Blick schärfen für die Aufgaben der Gegenwart, wird es auch eine gute Zukunft für alle geben.